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Aktuelle Ausgabe

 

Jeden Monat lesen Sie hier einen ausgewählten Text aus der aktuellen Ausgabe von Neue Wege.


Februar 2020: "Das Bügeleisen" von Monika Kuhne (Menden)

Es waren mal wieder Ferien und meine Oma und ich waren für ein paar Tage bei meinen Eltern.  Aber wo Kinder sind, da gibt es auch Probleme. So auch bei uns. Meine beiden Brüder waren jünger als ich. Der eine war von der bequemen, kompakten, immer Hunger habenden Sorte, und der Kleine war eher von der galligen, aber niedlichen und zarten Sorte. Jüppi, der Kleine, passte auf Männe, den Großen, immer auf und wenn Männe mal ein Unheil von seinen Spielgenossen drohte, dann stellte sich Jüppi vor ihn. Dabei konnte es auch schon mal passieren, das der Kleine einen von den Größeren in die Waden biss oder vor das Schienbein trat, worauf meine Mutter oft Ärger bekam. Aber meistens war es so, das wenn die Erwachsenen noch sauer waren, die Kinder schon wieder miteinander spielten und dicke Freunde waren.

Obwohl meine Brüder mir manchmal sehr auf den Wecker gingen, war es doch sehr schön.  Das ich tüchtig mithelfen musste, denn die Wohnung war für uns alle ziemlich klein, war klar und ich machte es ja auch fast immer gerne, fast. Auch wenn es eng war, uns fehlte es an nichts. Im Sommer, wenn für ein Eis mal das Geld knapp war (es kam manchmal ein Eiswagen aus Iserlohn), war ja Oma da, die immer ein paar Pfennige für uns im Umschlag hatte. Dann waren wir Rabauken ruhig und verdrehten vor Wonne die Augen.

Irgendwann hatte unser Vater aber auch mal Urlaub und dann wehte ein anderer Wind. Da meine Brüder noch klein waren musste ich herhalten, was nicht schlimm war, denn ich habe dadurch einiges gelernt und es sogar gerne gemacht. Nägel in die Wand schlagen, ohne den Daumen zu treffen, Tapeten einkleistern, ohne alles mit Kleister zu verschmieren, Holz richtig stapeln, Kaninchen richtig versorgen, das passende Futter zu finden und so viele andere Sachen.

Doch dann passierte es: Eines schönen Tages ging das gute elektrische Bügeleisen meiner Mutter kaputt. Gerade nach der großen Wäsche. Große Wäsche war immer viel Arbeit. In Mietshäusern ging das reihum. Jeder hatte drei bis vier Tage Zeit dafür. Dabei wurde die Wäsche erst eingeweicht, eine Nacht in einer Lauge gelassen und am nächsten Tag wurde der Kessel schon früh angestellt. Das heißt, es musste immer Holz oder Kohle nachgelegt werden und die Wäsche musste mit einem großen Stock gerührt werden, bis das Wasser kochte. Eine schwere körperliche Arbeit, der Dampf und die nasse heiße Wäsche, die kaum angefasst werden konnte, waren schwer. Danach wurde sie durch eine für damalige Verhältnisse moderne Mangel gedreht, die auf dem Bottich festgemacht war, um anschließend in einem anderen Becken mit frischem Wasser abgespült zu werden. Schmierseife oder Kernseife und Persil mussten mit der Hand rausgewaschen werden. Dann kam die Mangel wieder zum Einsatz. Darum war Mutti auch so froh, das sie ein elektrisches Bügeleisen hatte. Eine große Erleichterung. Doch nun ist es kaputt. Nun musste Mutti den Ofen anmachen, um das alte Bügeleisen auf Hitze zu bekommen. Im Sommer. Da wurde dann ein Brikett geteilt, in Papier gewickelt und in den kleinen Schacht vom Bügeleisen geschoben. Oder das Eisen wurde auf dem Ofen heiß gemacht.

Nach einer Zeit gelangte das Bügeleisen zu Papa und er reparierte es. Das sah bei ihm ganz einfach aus. So weit so gut. Doch dann kam die Nachbarin mit ihrem Bügeleisen herüber, auch kaputt, und wie heißt es so schön: Wenn einer alles kann, dann muss er auch alles machen.

Nur mein Papa hatte keine Zeit, aber ich konnte das ja auch. Das ich das machen wollte, habe ich der Nachbarin natürlich nicht gesagt. Frisch ans Werk. Oben das Teil, wo der Stecker reinkam, lösen, hier und da etwas abkneifen und alles wieder zusammenschrauben, fertig. Froh darüber, ihr Bügeleisen wieder zu haben, ging die Nachbarin frisch ans Werk. Es knallte einmal ganz kurz, die Sicherungen sprangen raus und es roch etwas verbrannt. Dann kam natürlich heraus, das ich die Reparatur gemacht hatte. Mutti war fix und fertig, war auf der einen Seite froh, das mir nichts passiert war, aber auch sauer, weil sie jetzt Ärger mit der Nachbarin hatte.

Nur Papa meinte, ich wäre sehr mutig gewesen, worauf Mutti ihm das Wort zum Sonntag erzählte, unter vier Augen. Papa hat das wieder in Ordnung gebracht und die Nachbarin wurde zum Kaffee eingeladen. Ende gut, alles gut. Die Nachbarin hat neue Stromschnüre und Kaffee bekommen, Papa einen frommen Bibelspruch, Mutti die Aufregung der Woche und ich? Mir hat man verboten, so etwas nochmal zu machen. Unter uns gesagt: So ganz zufrieden war ich mit dem Ergebnis nicht. Alle haben etwas bekommen, nur ich nicht.

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